Ganzheitliche Bewegungsförderung im Alter: Körper, Geist und Seele in Bewegung
Diese Frage zeigt perfekt, worum es bei ganzheitlicher Bewegungsförderung geht: Bewegung ist so viel mehr als nur körperliches Training. Sie wirkt auf allen Ebenen – körperlich, emotional, kognitiv und sozial. Und genau dieser ganzheitliche Ansatz ist entscheidend für nachhaltige Erfolge im Alter.
Gemeinsam mit meiner Kollegin Bozena Attig, Heilpraktikerin aus Hannover, möchte ich Ihnen zeigen, warum Bewegung im Alter so viel mehr ist als nur Sturzprävention.
Bewegung wirkt ganzheitlich – auf vier Ebenen
In meiner täglichen Arbeit als Pflegefachfrau und Bewegungstrainerin erlebe ich immer wieder, wie vielfältig die Wirkungen von Bewegung sind. Lassen Sie mich die vier wichtigsten Ebenen erklären:
1. Die körperliche Ebene
Das ist die offensichtlichste Ebene: Regelmäßige Bewegung stärkt Kraft, Gleichgewicht und Koordination. Sie ist die beste Sturzprävention und hilft, die Selbstständigkeit im Alltag zu erhalten.
Ein Beispiel aus meiner Praxis: Eine Teilnehmerin meiner Bewegungskurse erzählte mir, dass sie bereits nach ca. drei Wochen eine spürbare Veränderung bei sich festgestellt hat. Sie ist deutlich beweglicher geworden und ist unglaublich stolz darauf.
2. Die emotionale Ebene
Bewegung verbessert die Stimmung, reduziert Ängste (besonders die oft vorhandene Sturzangst) und gibt Erfolgserlebnisse. Das ist besonders wichtig im Alter, wenn viele Menschen mit Verlusten umgehen müssen.
„Ich traue mir wieder mehr zu“, sagte mir ein Teilnehmer meines Bewegungskurses nach einigen Wochen Training. Diese wiedergewonnene Zuversicht ist mindestens so wertvoll wie die körperliche Verbesserung.
3. Die kognitive Ebene
Koordinationsübungen fordern auch das Gehirn heraus. Wenn wir beispielsweise Gleichgewichtsübungen mit Zählaufgaben kombinieren, trainieren wir nicht nur den Körper, sondern auch die geistige Fitness. Studien zeigen: Regelmäßige Bewegung kann das Demenzrisiko deutlich senken.
4. Die soziale Ebene
Besonders in Gruppenkursen entstehen neue Kontakte und ein Gefühl von Gemeinschaft. Das gemeinsame Erleben motiviert und wirkt gegen Einsamkeit – ein oft unterschätzter Aspekt der Gesundheit im Alter.
Unser Gruppenkurs ist für viele Teilnehmer das Highlight der Woche geworden – nicht nur wegen der Übungen, sondern auch wegen der netten Gespräche.
💡 Wussten Sie?
Regelmäßige Bewegung kann das Demenzrisiko um bis zu 30 % senken und die Lebensqualität erheblich steigern. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt für ältere Menschen mindestens 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche.
Prehabilitation statt Rehabilitation: Der präventive Ansatz
Was ist Prehabilitation?
In meiner Arbeit als Heilpraktikerin und Krankenschwester begegnet mir immer wieder ein Muster: Viele Menschen werden erst nach einem Sturz, einer Operation oder einer Erkrankung aktiv. Dabei wäre es so viel effektiver, präventiv zu handeln.
Prehabilitation bedeutet: Den Körper auf zukünftige Belastungen vorbereiten, bevor sie eintreten. Stellen Sie sich das wie ein Sparbuch für Ihre Gesundheit vor – Sie bauen Reserven auf, von denen Sie später zehren können.
Was sagt die Wissenschaft?
Die wissenschaftliche Datenlage ist eindeutig: In meiner täglichen Arbeit im klinischen Alltag beobachte ich, dass Patienten, die regelmäßig körperlich aktiv sind, oft einen schnelleren Heilungsprozess durchlaufen – insbesondere nach Operationen oder schweren Belastungen.
Eine aktuelle Studie im American Journal of Physical Medicine & Rehabilitation zeigt: Patienten mit präoperativer Bewegungsvorbereitung haben bis zu 40 % schnellere Heilungsprozesse. Das gilt nicht nur für geplante Operationen, sondern für alle gesundheitlichen Herausforderungen.
🔬 Aus der Forschung
„In meiner täglichen Arbeit als Heilpraktikerin und Krankenschwester beobachte ich: Patienten, die regelmäßig körperlich aktiv sind, durchlaufen oft einen schnelleren Heilungsprozess – insbesondere nach Operationen oder schweren Belastungen.“ (Bozena Attig)
Quelle: journals.lww.com/ajpmr
Die gesundheitsorientierte Betrachtung
Statt uns auf Krankheiten zu fokussieren, sollten wir uns fragen: „Wie viel Bewegung findet im Alltag statt?“ Diese Perspektive verschiebt den Fokus vom Problem zur Lösung.
Bei Erwachsenen und besonders bei älteren Menschen ist es wichtig, einen Ausgleich für den oft vorhandenen Bewegungsmangel zu schaffen. Nicht als Pflicht, sondern als Geschenk an den eigenen Körper.
Bewegung als Regulationshilfe
Aus naturheilkundlicher Sicht wirkt Bewegung auf mehreren Ebenen regulierend:
- Hormonhaushalt: Stresshormon Cortisol wird abgebaut, Glückshormone (Endorphine) werden ausgeschüttet
- Entzündungshemmung: Regelmäßige Bewegung wirkt antientzündlich
- Durchblutungsförderung: Alle Gewebe werden besser mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt
- Stoffwechselaktivierung: Der gesamte Organismus arbeitet effizienter
Bedeutung von Ernährung, Trinken & Mikronährstoffen im Alter
Als Heilpraktikerin und Krankenschwester ist es mir ein zentrales Anliegen, die Gesundheit über Körperfunktionen ganzheitlich zu stärken – weit über die Linderung von Symptomen hinaus. Ein besonders wirkungsvoller Hebel ist die optimierte Ernährung, insbesondere das gezielte Einbeziehen von Makro- und Mikronährstoffen, die systemische Prozesse wie Entzündung, Immunantwort und kognitive Leistungsfähigkeit positiv beeinflussen.
Omega-3-Fettsäuren: Entzündungen vorbeugen
Omega-3-Fettsäuren, insbesondere EPA (Eicosapentaensäure) und DHA (Docosahexaensäure), spielen eine wichtige Rolle bei der Regulation von Entzündungsprozessen. Zahlreiche Studien zeigen, dass diese Fettsäuren entzündungshemmend wirken, indem sie die Produktion antiinflammatorischer Mediatoren begünstigen. Darüber hinaus unterstützen Omega-3-Fettsäuren das Immunsystem: Sie modulieren die Aktivität von Immunzellen und fördern ein Gleichgewicht, das proinflammatorische Reaktionen dämpft. Als praktische Empfehlung rate ich meinen Patientinnen und Patienten in der Praxis zu einem hochwertigen Omega-3-Öl.
B-Vitamine: Kognition, Zellstoffwechsel & Nervengesundheit
B-Vitamine (insbesondere B₆, B₁₂, Folsäure) sind essenziell für neurologische Funktionen, Energiestoffwechsel und die Synthese neurobiologischer Botenstoffe. Ein Mangel kann kognitive Defizite, Müdigkeit oder neurologische Beeinträchtigungen begünstigen. Untersuchungen zeigen, dass eine ausreichende Versorgung mit B-Vitaminen die kognitive Leistungsfähigkeit unterstützen kann. Darüber hinaus sind B-Vitamine relevant für das Immunsystem: Sie tragen zur Proliferation und Differenzierung von Immunzellen bei.
Proteine: Erhalt von Muskelkraft und Funktionsfähigkeit im Alter
Mit zunehmendem Alter nimmt die Muskelmasse sowie die Muskelkraft natürlicherweise ab. Eine ausreichende Proteinzufuhr spielt dabei eine entscheidende Rolle, um diesem Prozess entgegenzuwirken. Proteine liefern die notwendigen Aminosäuren, die für den Erhalt von Muskelzellen, deren Reparatur und den kontinuierlichen Aufbau benötigt werden. Besonders im höheren Lebensalter kann eine bedarfsgerechte Eiweißaufnahme dazu beitragen, Mobilität, Gleichgewicht, Kraft und damit auch Selbstständigkeit und Lebensqualität möglichst lange zu erhalten.
Eine regelmäßige Kombination aus hochwertiger Proteinversorgung und moderater körperlicher Aktivität, besonders Kraft- und Gleichgewichtstraining, gilt heute als zentrale präventive Maßnahme gegen altersbedingten Muskelabbau.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt bis zu einem Alter von 65 Jahren die Aufnahme von 0,8 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht. Das entspricht bei einem Körpergewicht von 70 Kilogramm etwa 56 Gramm Protein pro Tag.
Flüssigkeitsversorgung (Trinken)
Neben Makro- und Mikronährstoffen spielt eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr eine oft unterschätzte Rolle: Wasser und hydrierende Getränke wie ungesüßter Kräutertee sind Grundvoraussetzung für den Transport von Nährstoffen, den zellulären Stoffwechsel und die Eliminierung von Stoffwechselabfällen. Gerade bei erhöhter körperlicher oder immunologischer Belastung ist eine stabile Hydration entscheidend für die Unterstützung von Regenerations- und Entzündungsprozessen.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Menschen ab 65 Jahren, täglich ca. 2 Liter Flüssigkeit aufzunehmen – mindestens 1,3 Liter über Getränke und ca. 0,7 Liter über die Nahrung.
Synergieeffekte & ganzheitliche Betrachtung
Es ist wichtig zu betonen, dass Mikronährstoffe nicht isoliert wirken. In der Literatur wird immer wieder hervorgehoben, dass eine Kombination aus Vitaminen (z. B. B-Vitamine, Vitamin C, D), Spurenelementen (z. B. Zink, Selen) und Omega-3-Fettsäuren synergistisch das Immunsystem modulieren kann. Ein gut ausgewogener Ernährungsansatz – etwa eine dem mediterranen Stil nahekommende Ernährung mit viel Gemüse, Vollkorn, fettem Fisch, Nüssen und Ölen – kann viele dieser Elemente abdecken.
Als Heilpraktikerin empfehle ich, die Ernährung in Beratungen aktiv einzubeziehen, den Mikronährstoffstatus bei Bedarf zu überprüfen (z. B. durch Laboranalysen) und eine individuelle Strategie zu entwickeln, die sowohl Ernährung als auch gezielte Supplementierung umfasst.
Sport erledigt? Muskeln versorgt? Dann ist das Stück Schokolade offiziell erlaubt – weil medizinisch wertvoll wegen der Endorphine, versteht sich 😉
Von der Theorie zur Praxis: Ihr Weg zu mehr Bewegung
Die richtige Einstellung
Kleine Schritte sind große Schritte. Beginnen Sie dort, wo Sie gerade stehen, und vergleichen Sie sich nicht mit anderen. Jeder Mensch hat seinen eigenen Rhythmus und seine eigenen Möglichkeiten.
Alltagsintegration – der Schlüssel zum Erfolg
Die beste Bewegung ist die, die Sie auch wirklich machen! Deshalb ist es so wichtig, Bewegung in den Alltag zu integrieren, statt sie als separate „Aufgabe“ zu sehen.
Konkrete Beispiele aus meiner Praxis:
- Beim Zähneputzen auf einem Bein stehen (trainiert das Gleichgewicht)
- Beim Telefonieren aufstehen und langsam umhergehen
- Treppe statt Aufzug nehmen – auch nur einzelne Etagen zählen
- Einkäufe zu Fuß erledigen, wenn möglich
- Gartenarbeit bewusst als Bewegung nutzen
Mein Tipp: Verknüpfen Sie neue Bewegungsgewohnheiten mit bereits bestehenden Routinen. So werden sie automatisch Teil Ihres Tages.
Drei einfache Übungen für jeden Tag
Hier sind drei Übungen, die jeder zu Hause machen kann. Sie sind einfach, aber wirkungsvoll:
Übung 1: Stuhlaufstehen (Kraft)
Beschreibung: Setzen Sie sich auf einen stabilen Stuhl. Stehen Sie auf, ohne die Hände zu benutzen, und setzen Sie sich dann langsam wieder hin. Kontrollieren Sie die Bewegung beim Hinsetzen.
Wiederholungen: 10 ×, 2–3 × täglich
Nutzen: Stärkt die Beinmuskulatur und verbessert die Alltagstauglichkeit
Tipp: Anfangs dürfen Sie sich leicht abstützen – mit der Zeit versuchen Sie es ohne Hände
Übung 2: Einbeinstand (Gleichgewicht)
Beschreibung: Stellen Sie sich neben einen Stuhl oder an eine Wand. Halten Sie sich fest und heben Sie ein Bein leicht vom Boden ab. Halten Sie die Position für 10 Sekunden.
Wiederholungen: 5 × pro Bein, 1–2 × täglich
Nutzen: Verbessert das Gleichgewicht und die Koordination – wichtigste Sturzprävention!
Tipp: Später können Sie versuchen, sich nicht festzuhalten
Übung 3: Zehenstand (Kraft + Balance)
Beschreibung: Stellen Sie sich auf die Zehenspitzen, halten Sie die Position kurz und senken Sie die Fersen wieder ab.
Wiederholungen: 15 ×, 2 × täglich
Nutzen: Stärkt die Wadenmuskulatur und die Fußgelenke
Tipp: Perfekt beim Kaffeekochen oder Zähneputzen
✅ Erfolgs-Tipp
Verknüpfen Sie Übungen mit festen Routinen:
- Stuhlaufstehen → nach jeder Mahlzeit
- Einbeinstand → beim Zähneputzen
- Zehenstand → beim Warten auf den Wasserkocher
So wird Bewegung automatisch Teil Ihres Tages!
Wenn Pflege und Naturheilkunde zusammenwirken
Das Beste aus beiden Welten
Unsere Zusammenarbeit zeigt, wie wertvoll der Austausch zwischen verschiedenen Fachrichtungen ist:
Melanie bringt die praktische Umsetzung, individuelle Begleitung und Alltagsorientierung ein. Sie weiß, was im häuslichen Umfeld funktioniert und wie man Menschen motiviert, dranzubleiben.
Bozena ergänzt mit dem ganzheitlichen Blick, wissenschaftlicher Fundierung und präventiven Ansätzen aus der Naturheilkunde. Sie versteht die tieferen Zusammenhänge im Körper.
Gemeinsam betrachten wir den Menschen umfassend – und genau das macht den Unterschied.
Konkrete Synergien
In der Praxis bedeutet das zum Beispiel:
- Kombination aus Bewegungstraining und entzündungshemmender Ernährung
- Stressreduktion durch Bewegung und ergänzende naturheilkundliche Methoden
- Präventive Bewegungsförderung mit begleitenden Therapien bei bestehenden Beschwerden
Ein Beispiel: Frau Wagner kombiniert unsere Bewegungskurse mit Bozenas Ernährungsberatung. Die Kombination zeigt deutlich bessere Erfolge als jeder Ansatz allein – sie hat weniger Schmerzen, mehr Energie und fühlt sich insgesamt wohler.
💙 Unser Ansatz
„Wir sehen den Menschen als Ganzes: Körper, Geist und Seele. Nur wenn alle Ebenen angesprochen werden, entsteht nachhaltige Gesundheit und Lebensqualität.“
— Melanie Zick & Bozena Attig
Für wen ist ganzheitliche Bewegungsförderung geeignet?
Die gute Nachricht: Fast jeder kann von Bewegungsförderung profitieren! Besonders hilfreich ist sie für:
- Ältere Menschen ab 60+ (präventiv)
- Menschen mit Pflegegrad (§ 45a SGB XI)
- Nach Krankheit oder Operation (Wiederaufbau)
- Bei Sturzangst oder Unsicherheit
- Zur Demenzprävention
- Bei Einsamkeit (Gruppenkurse)
- Pflegende Angehörige (Selbstfürsorge)
Wichtig zu wissen
Auch bei körperlichen Einschränkungen ist Bewegungsförderung möglich – sie wird einfach individuell angepasst. Jeder Mensch kann auf seinem eigenen Level trainieren.
Bei Unsicherheit oder bestehenden Erkrankungen sollten Sie vorher mit Ihrem Arzt sprechen. Aber lassen Sie sich nicht entmutigen: Es ist nie zu spät anzufangen!
💰 Gut zu wissen
Mit anerkanntem Pflegegrad sind viele Bewegungsangebote über § 45a SGB XI kostenlos! Die Pflegekasse übernimmt die Kosten für anerkannte Anbieter wie die Pflegehilfe Hameln.
Der monatliche Entlastungsbetrag von 131 € kann dafür genutzt werden – Geld, das Ihnen ohnehin zusteht und sonst oft ungenutzt verfällt.
Fazit: Bewegung als Schlüssel zu mehr Lebensqualität
Von Melanie: Bewegung wirkt auf allen Ebenen – körperlich, emotional, kognitiv und sozial. Der Schlüssel ist die Integration in den Alltag. Kleine Schritte führen zu großer Wirkung, und Freude an der Bewegung ist wichtiger als Perfektion.
Von Bozena: Denken Sie präventiv: Prehabilitation statt Rehabilitation. Die wissenschaftliche Datenlage ist eindeutig – Bewegung fördert Heilung und Gesundheit. Der ganzheitliche Blick berücksichtigt alle Lebensbereiche. Bewegung ist eine Investition in Ihre Gesundheit.
Starten Sie noch heute!
Suchen Sie sich eine Übung aus diesem Artikel aus und integrieren Sie diese in Ihren Alltag. Ihr Körper – und Ihre Seele – werden es Ihnen danken.
Haben Sie Fragen zur Bewegungsförderung oder möchten Sie persönlich beraten werden? Wir sind für Sie da – in Hameln und Hannover.
Veröffentlicht am 22. November 2025 von Pflegehilfe Hameln ·