Zwischen den Jahren: Rituale für Ruhe und Reflexion
Diese Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr ist etwas Besonderes. Die Tage verschwimmen, der Alltag pausiert, und viele Menschen spüren eine natürliche Sehnsucht nach Ruhe und Reflexion. Doch gerade für Pflegende und pflegende Angehörige kann diese Phase auch Herausforderungen mit sich bringen: Der Pflegealltag läuft weiter, während rundherum alles langsamer wird.
Gemeinsam mit Bozena Attig, Heilpraktikerin der Naturheilpraxis Attig, möchte ich Ihnen zeigen, wie Sie diese besondere Zeit für sich nutzen können – mit sanften Ritualen, die sich auch in einen vollen Tag integrieren lassen.
Warum Rituale in der Zeit zwischen den Jahren so wertvoll sind
Die Zeit zwischen den Jahren ist traditionell eine Phase des Innehaltens. Viele Kulturen weltweit nutzen diese Tage für Reflexion, Loslassen und Neuausrichtung. Aus naturheilkundlicher Sicht ist das nicht nur symbolisch wertvoll – unser Körper und Nervensystem profitieren messbar von bewussten Pausen und Ritualen.
Was passiert im Körper bei bewussten Ritualen?
Wenn wir uns bewusst Zeit für Ruhe nehmen, aktivieren wir den Parasympathikus – den Teil unseres Nervensystems, der für Erholung und Regeneration zuständig ist. Die Effekte sind wissenschaftlich belegt:
- Senkung des Stresshormonspiegels (Cortisol)
- Verbesserung der Herzratenvariabilität – ein Marker für Stressresilienz
- Stärkung des Immunsystems
- Bessere Schlafqualität
- Erhöhte emotionale Stabilität
Besonders in der Pflege, wo chronischer Stress häufig ist, sind diese physiologischen Erholungsprozesse entscheidend für die Gesundheit.
Sieben sanfte Rituale für die Zeit zwischen den Jahren
Aus meiner Arbeit mit Pflegenden weiß ich: Die schönsten Rituale sind die, die sich realistisch umsetzen lassen. Hier sind sieben einfache Praktiken, die Bozena Attig zusammengestellt hat – angereichert mit meinen Erfahrungen aus der pflegerischen Praxis.
1.Einmal bewusst atmen
Das Ritual: Ein paar Minuten still sitzen, Schultern fallen lassen, tief ein- und ausatmen. Nur da sein.
Warum es wirkt (Bozena Attig): Bewusstes Atmen aktiviert sofort den Parasympathikus. Bereits 2-3 Minuten tiefe Bauchatmung senken Herzfrequenz und Blutdruck messbar. Die Zwerchfellatmung massiert zudem innere Organe und fördert die Verdauung.
Praxistipp (Melanie Zick): Nutzen Sie Wartezeiten – während Kaffee durchläuft, vor dem Schlafengehen, nach einer anstrengenden Situation. Stellen Sie sich einen Timer auf 3 Minuten. Das reicht schon!
2.Einen warmen Moment genießen
Das Ritual: Eine Tasse Tee. Ein stiller Blick aus dem Fenster.
Warum es wirkt (Bozena Attig): Wärme hat eine direkte beruhigende Wirkung auf das Nervensystem. Kräutertees wie Melisse, Lavendel oder Kamille wirken zusätzlich entspannend. Der Blick in die Weite (aus dem Fenster) entspannt die Augenmuskulatur und reduziert mentale Anspannung.
Praxistipp (Melanie Zick): Bereiten Sie den Tee schon am Morgen vor (Thermoskanne!) und nehmen Sie ihn mit zur nächsten Pause. Auch 5 Minuten am Fenster wirken Wunder.
3.Dankbarkeit notieren
Das Ritual: Was war heute schön? Nur ein Satz reicht.
Warum es wirkt (Bozena Attig): Dankbarkeitsübungen verändern nachweislich die Gehirnchemie. Sie fördern die Ausschüttung von Serotonin und Dopamin – den „Glückshormonen". Studien zeigen: Regelmäßiges Dankbarkeitstraining senkt Depressionsrisiko und verbessert den Schlaf.
Praxistipp (Melanie Zick): Legen Sie ein kleines Notizbuch neben Ihr Bett. Jeden Abend vor dem Schlafen: Ein Satz. „Heute war schön: Der Spaziergang." „Heute war schön: Das Lächeln von Frau Müller." Das dauert 30 Sekunden.
4.Kurz nach draußen gehen
Das Ritual: Vor die Tür, auf den Balkon, um den Block. Ein paar Minuten Tageslicht wirken Wunder.
Warum es wirkt (Bozena Attig): Tageslicht steuert unseren zirkadianen Rhythmus und die Melatoninproduktion. Selbst bei bewölktem Himmel ist das Außenlicht 10-100x heller als Innenlicht. Das stabilisiert den Schlaf-Wach-Rhythmus, hebt die Stimmung (Vitamin D-Produktion) und stärkt das Immunsystem.
Praxistipp (Melanie Zick): Kombinieren Sie es mit etwas, das Sie sowieso tun: Mülleimer rausbringen, zum Briefkasten gehen, kurz lüften. Selbst 10 Minuten zählen!
5.Digital leiser drehen
Das Ritual: Für einen Moment: Flugmodus. Keine Nachrichten. Stille.
Warum es wirkt (Bozena Attig): Ständige digitale Reize halten das Nervensystem in Alarmbereitschaft. Studien zeigen: Bereits 30 Minuten ohne Smartphone senken Stresslevel messbar. Das Gehirn nutzt diese Zeit für Verarbeitung und Regeneration – der sogenannte „Default Mode Network" wird aktiv, wichtig für Kreativität und Problemlösung.
Praxistipp (Melanie Zick): Setzen Sie sich selbst eine „stille Stunde" – z.B. morgens von 7-8 Uhr oder abends von 20-21 Uhr. Handy in einen anderen Raum legen. Sie verpassen nichts Wichtiges, gewinnen aber viel Ruhe.
6.An jemanden denken
Das Ritual: Eine kurze Nachricht: „Ich habe heute an dich gedacht." Verbundenheit.
Warum es wirkt (Bozena Attig): Soziale Verbundenheit ist einer der stärksten Schutzfaktoren für psychische und physische Gesundheit. Das Gefühl, verbunden zu sein, setzt Oxytocin frei – das „Bindungshormon", das Stress reduziert und Wohlbefinden steigert. Interessant: Auch das Geben von Zuwendung (nicht nur das Empfangen) wirkt positiv.
Praxistipp (Melanie Zick): Es muss keine lange Nachricht sein. „Denke an dich ❤️" reicht. Oder ein kurzer Anruf: „Wollte nur mal Hallo sagen." Diese kleinen Gesten tun beiden gut – Ihnen und dem Empfänger.
7.Eine sinnliche Atmosphäre schaffen
Das Ritual: Eine schöne Kerze anzünden, die Sie selbst ausgesucht haben. Duftöle in die Duftlampe geben (Lavendel, Sandelholz). Dazu ein gutes Buch lesen.
Warum es wirkt (Bozena Attig): Ätherische Öle wie Lavendel und Sandelholz haben nachgewiesene beruhigende Effekte auf das zentrale Nervensystem. Lavendel reduziert Angst und fördert den Schlaf, Sandelholz wirkt erdend und zentrierend. Der visuelle Fokus auf eine Kerzenflamme (ähnlich wie Meditation) beruhigt den Geist und reduziert das Gedankenkarussell. Das Lesen eines Buches (statt digitaler Medien) senkt nachweislich Stress und fördert die Entspannung.
Praxistipp (Melanie Zick): Gestalten Sie sich bewusst eine „Wohlfühl-Ecke": Ein bequemer Sessel, eine Kerze, die Duftlampe griffbereit. Nehmen Sie sich 20 Minuten am Abend nur für sich – Kerze an, Duft genießen, ein paar Seiten lesen. Diese kleine Insel der Ruhe kann Wunder wirken. Wichtig: Wählen Sie eine Kerze, die Ihnen gefällt – der persönliche Bezug macht das Ritual bedeutungsvoller.
✅ Der wichtigste Tipp
Nicht alle sieben Rituale auf einmal! Suchen Sie sich eines aus, das sich für Sie stimmig anfühlt. Machen Sie es eine Woche lang jeden Tag. Dann ist es keine Aufgabe mehr, sondern eine Gewohnheit – ein Geschenk an sich selbst.
Besondere Herausforderungen für Pflegende
Ich weiß aus Gesprächen mit Pflegenden und pflegenden Angehörigen: Gerade in der Zeit zwischen den Jahren kann der Druck sogar steigen. Während andere „die Seele baumeln lassen", läuft der Pflegealltag weiter – manchmal sogar mit weniger Unterstützung, weil Dienste anders besetzt sind.
Realistische Selbstfürsorge im Pflegealltag
- Perfektion loslassen: Ein Ritual muss nicht „schön" oder „lang" sein. 3 Minuten atmen zählt. 5 Minuten raus zählt. Jeder kleine Moment zählt.
- Rituale in Routinen einbauen: Während Essen warm wird, Tee trinken. Während Waschmaschine läuft, kurz raus. Nutzen Sie Wartezeiten.
- Erlauben Sie sich Pausen: Sie sind kein Luxus, sondern medizinisch notwendig. Wer dauerhaft im Stress ist, wird krank. Ihre Gesundheit ist die Grundlage für alles andere.
- Holen Sie sich Unterstützung: Wenn möglich, teilen Sie Aufgaben auf. Bitten Sie um Hilfe – auch in der Familie. Sie müssen nicht alles allein tragen.
💙 Für pflegende Angehörige
Die Pflegehilfe Hameln bietet Entlastungsangebote nach § 45a SGB XI an. Nutzen Sie Ihren monatlichen Entlastungsbetrag (131 €) für Unterstützung – zum Beispiel für Begleitung bei Spaziergängen, Bewegungsförderung oder einfach ein paar Stunden Zeit für sich.
Sie dürfen sich erholen. Sie dürfen Pausen machen. Sie sind wichtig.
Zwischen den Jahren: Ein Geschenk an sich selbst
Die Zeit zwischen den Jahren ist eine Einladung – keine Verpflichtung. Eine Einladung, innezuhalten. Zu atmen. Dankbar zu sein. Sich selbst wichtig zu nehmen.
Ob Sie alle sieben Rituale ausprobieren oder sich nur eines heraussuchen: Jeder kleine Schritt zählt. Jeder Moment der Ruhe ist ein Gewinn für Körper und Seele.
Nehmen Sie sich heute einen Moment
Suchen Sie sich ein Ritual aus. Nur eines. Probieren Sie es heute aus. Ihr Nervensystem wird es Ihnen danken.
Wie nutzen Sie die Zeit zwischen den Jahren? Haben Sie eigene Rituale, die Ihnen guttun? Wir freuen uns über Ihre Gedanken und Erfahrungen.
Veröffentlicht am 28. Dezember 2025 von Pflegehilfe Hameln & Naturheilpraxis Attig ·