Warum ich mit 46 noch einmal studiere – und was der Paradigmenwechsel für meine Kund:innen bedeutet

Von Pathogenese zu Salutogenese: Ein persönlicher Rückblick auf das erste Semester „Prävention und Gesundheitsförderung" – und warum das Ihre Begleitung zuhause besser macht.

Melanie Zick – Pflegefachfrau, Pflegeberaterin und Studentin 'Prävention und Gesundheitsförderung'
Pflegefachfrau, Pflegeberaterin, Praxisanleiterin – und seit Oktober 2025 Bachelorstudentin an der IST-Hochschule. Ein Schritt, der meine tägliche Arbeit in der Präventionsbegleitung verändert.
Von Melanie Zick | 20. April 2026 | Lesezeit: ca. 7 Minuten
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Anlass dieses Beitrags

Die IST-Hochschule hat mich in ihrer aktuellen News-Rubrik porträtiert – unter dem Titel „Die Inhalte des Studiengangs passen perfekt zu dem, was uns erwartet". Das Interview war für mich ein guter Anlass, einmal in Ruhe aufzuschreiben, warum ich diesen Schritt gegangen bin – und vor allem, was sich dadurch für die Menschen ändert, die ich zuhause begleite.

→ Zum Interview auf ist-hochschule.de

Eine ehrliche Vorbemerkung: Ich habe kein Abitur. Ich bin 46 Jahre alt. Und als ich mich im Oktober 2025 für den Bachelorstudiengang „Prävention und Gesundheitsförderung" an der IST-Hochschule angemeldet habe, war meine erste Frage nicht, ob der Studiengang zu mir passt – sondern ob ich zu ihm passe.

Ein halbes Jahr später weiß ich: Die eigentliche Frage war eine ganz andere. Nämlich die, was dieser Schritt mit meiner täglichen Arbeit bei Pflegehilfe Hameln machen würde. Die Antwort darauf möchte ich hier teilen – weil sie direkt damit zu tun hat, wie ich Sie oder Ihre Angehörigen begleite.

Zwei Berufe, zwei Blickwinkel

Ich stehe beruflich auf zwei Beinen. In Teilzeit arbeite ich beim DRK Region Hannover in der ambulanten Pflege – dort auch als Praxisanleiterin, also in der Begleitung und Ausbildung angehender Pflegefachkräfte. Parallel führe ich mit Pflegehilfe Hameln einen nach §45a SGB XI anerkannten Anbieter mit Schwerpunkt auf Präventionsbegleitung zuhause.

Beide Rollen haben mich geprägt. In der ambulanten Pflege sehe ich den Alltag, wenn Einschränkungen schon da sind – wenn der Blutzucker nicht stabil ist, wenn nach dem Schlaganfall neu gelernt werden muss, wenn Wunden versorgt werden. In der Präventionsbegleitung setze ich davor an: Ich komme 1–2× wöchentlich zu Menschen nach Hause und arbeite mit ihnen an Mobilität, Gleichgewicht, Sturzprophylaxe, Alltagssicherheit – bevor aus einer unsicheren Gangart ein Sturz wird.

Dazu kommt ein drittes Standbein, das die beiden ersten miteinander verbindet: Mit PflegePur habe ich ein ganzes digitales Ökosystem rund um die Pflege zu Hause aufgebaut. Fünf Bereiche, jeder mit klarer Aufgabe, alle miteinander verknüpft:

Und über partner.pflegepur.de öffnet sich das Ökosystem gezielt für Pflegedienste, Berater:innen und Organisationen – mit Navigator-B2B, Portal-Partnerschaften, Widgets und eigenen Regionalportalen. Entstanden ist das Ganze aus genau den wiederkehrenden Fragen, die mir in Beratung und Präventionsbegleitung täglich begegnen. Pflegehilfe Hameln ist das Fundament vor Ort – PflegePur ist der Versuch, dieselbe Haltung digital und überregional skalierbar zu machen.

Was ich lange nicht in Worte fassen konnte: warum sich diese Welten – ambulante Pflege, Präventionsbegleitung, digitales Pflege-Ökosystem – so grundlegend anders anfühlen als das, was ich in der klassischen Pflegeausbildung gelernt habe. Erst das Studium hat mir dafür die Sprache gegeben.

Der Paradigmenwechsel, den ich nicht kannte – aber täglich lebe

In der dreijährigen Ausbildung zur Pflegefachfrau habe ich gelernt, kranke Menschen gesund zu pflegen und Senior:innen zu unterstützen, ihren Alltag trotz Einschränkungen zu bewältigen. Das ist fachlich notwendig, aber zwangsläufig pathologisierend: Der Blick geht zu Defiziten, Symptomen, Risiken. Was fehlt? Was ist krank? Was muss kompensiert werden?

Das Studium setzt davor an – und zwar konzeptionell: Wie verhindern wir, dass der Fokus überhaupt erst zu Krankheit wandert? Wie erhalten wir Ressourcen, bevor Defizite entstehen? Dafür gibt es einen Begriff, den ich vor dem Studium nicht aktiv verwendet habe, der aber seitdem einen festen Platz in meinem Denken hat:

Pathogenese fragt: „Was macht krank – und wie heilen wir?"
Salutogenese fragt: „Was hält gesund – und wie stärken wir das?"


Der Begriff geht auf den Medizinsoziologen Aaron Antonovsky zurück. Er ist kein akademisches Gedankenspiel, sondern verändert konkret, wie man mit Menschen arbeitet. Der Blick wandert von Defiziten zu Ressourcen, von Diagnosen zu Lebensqualität, von Reaktion zu Prävention.

Das Erstaunliche daran: Diesen Paradigmenwechsel lebe ich in der Präventionsbegleitung schon längst – ich hatte bisher nur keine Sprache dafür. Jede Einheit, in der ich mit einer 81-jährigen Kundin gezielt Gleichgewicht und Kraft aufbaue, ist gelebte Salutogenese. Jedes Screening, in dem ich frage „Was gibt Ihnen Kraft im Alltag?" statt „Was fehlt Ihnen?", ist ein salutogenetischer Blick. Das Studium macht das, was ich intuitiv tue, systematisch nachvollziehbar.

Was das konkret für meine Kund:innen bedeutet

Wenn das Studium für mich eine theoretische Rückbindung meiner Praxis wäre, würde ich darüber keinen Blogbeitrag schreiben. Es ist aber mehr – es verändert, wie ich mit Familien arbeite. Drei Beispiele:

1. Ressourcenorientierte Screenings

Das strukturierte Screening, das ich beim ersten Hausbesuch durchführe, hat sich verändert. Früher habe ich gefragt: „Wo sind die Risiken?" – Sturzgefahr, Angehörigenbelastung, Einschränkungen im Alltag. Heute ergänze ich das konsequent um eine zweite Perspektive: „Wo sind die Ressourcen?" – Was tut die Person gerne? Welche Bewegungsformen kennt der Körper aus früheren Jahren? Wo ist noch Lebensfreude, wo soziale Teilhabe? Prävention wird wirksamer, wenn sie an Vorhandenem ansetzt statt nur an Fehlendem.

2. Bewegung als Alternative zu Medikation

Ein Befund aus dem Studium, der mich besonders bewegt: Gezielte Bewegung kann dazu beitragen, dass verordnete Medikamente reduziert werden können. Nicht in jedem Fall, nicht ohne ärztliche Begleitung – aber deutlich öfter, als in der Regelversorgung berücksichtigt wird. Das gilt insbesondere für Blutdruck, Blutzucker, Schlafqualität und teils auch für Schmerzmittel bei muskuloskelettalen Beschwerden. Ich sehe das in der Praxis: Kund:innen, die nach drei Monaten wöchentlicher Präventionsbegleitung mit ihrem Hausarzt über Dosisanpassungen sprechen konnten.

Das ist kein Marketingversprechen – ich stelle keine Diagnosen, ich verordne keine Medikamente, und jede Anpassung läuft über die behandelnden Ärzt:innen. Aber ich sehe, dass Bewegung wirkt. Das Studium liefert mir jetzt die wissenschaftliche Einordnung dafür.

3. Angehörige entlasten statt nur anleiten

Pflegende Angehörige sind selbst einer enormen Belastung ausgesetzt. Das Studium nimmt Gesundheitsförderung als systemischen Ansatz in den Blick – also nicht nur die pflegebedürftige Person, sondern das ganze Versorgungssystem. Konkret heißt das: Wenn ich in einer Familie arbeite, achte ich auf die Belastung der Tochter oder des Ehepartners genauso wie auf den Zustand der Kundin selbst. Entlastungsstrategien, Selbstfürsorge, Zugang zu Unterstützungsleistungen – das gehört in die Beratung hinein.

4. Digitale Brücke zwischen Beratungsbesuch und Alltag

Prävention wirkt nicht nur während der wöchentlichen Stunde, die ich vor Ort bin – sie wirkt vor allem in den Tagen dazwischen. Genau hier setzt das PflegePur-Ökosystem an, und zwar auf zwei Ebenen:

Auf Seite der Fachkraft: Mit dem Navigator (pflegepur.com) arbeite ich als Pflegeberaterin digital strukturiert – §7a-Versorgungsplan, §37.3-Beratungsbesuche inklusive §5-Präventions-Screening nach BEEP 2026, digitale Pflegemappe, Fallmanagement, rechtssichere Dokumentation. Das spart Zeit, die ich dann direkt bei den Menschen einsetzen kann. Der Navigator ist Ende-zu-Ende verschlüsselt und DSGVO-konform.

Auf Seite der Familie: Die kostenlose PflegePur-Zuhause-App gibt Angehörigen ein einfaches Werkzeug für den Alltag: Pflegetagebuch, §45b-Budget im Blick, Medikamentenübersicht, MD-Termin vorbereiten, Notfall-QR immer parat. Nach einem §37.3-Beratungsbesuch bei mir wird die App automatisch mit meinem Beraterprofil verknüpft – die Familie hat also einen festen Kontakt direkt in der App, nicht nur eine anonyme Software.

Das ist der Brückenschlag, den ich mir fachlich wünsche: professionelle Präventionsbegleitung vor Ort, unterstützt durch einen durchgängigen digitalen Faden – von der Beratungsdokumentation bis zum Alltag der Familie zwischen den Terminen.

💙

Aus der Praxis: Was sich konkret verändert hat

Melanie Zick, Pflegefachfrau, Pflegehilfe Hameln

„Vor einigen Wochen habe ich eine Kundin mit Pflegegrad 3 neu übernommen. Sie hatte vor drei Monaten einen kleinen Sturz, seitdem große Sturzangst, Rückzug aus dem Alltag, Tendenz zur Passivität. In der ersten Einheit habe ich gar nicht mit Übungen angefangen – ich habe mir eine Stunde Zeit genommen und gefragt, was ihr früher Freude gemacht hat. Sie hat mir von ihrem Garten erzählt, von Spaziergängen mit ihrem verstorbenen Mann, von ihren Enkeln.

Daraus haben wir ein Präventionsprogramm gebaut, das an diesen Ressourcen ansetzt: Gleichgewichtstraining, bei dem wir uns Gartenarbeit vorstellen. Gehübungen mit dem Ziel, zum Friedhof gehen zu können. Kraftübungen, damit sie die Enkel wieder auf den Arm nehmen kann. Nach vier Wochen war das Gangbild deutlich sicherer. Nach acht Wochen ist sie zum ersten Mal wieder alleine zum Bäcker gegangen.

Das ist Salutogenese. Und es ist genau das, wofür ich mich entschieden habe, nochmal die Schulbank zu drücken."

Zum Thema Zweifel

Ich will nicht so tun, als sei das ein Selbstläufer. Vor Studienbeginn hatte ich echte Zweifel an mir selbst. Kein Abitur, spürbar älter als der Durchschnitt – ich habe mich wirklich gefragt, ob ich das akademisch überhaupt schaffe. Ehrlich gesagt: Diese Zweifel sind auch jetzt noch da, sie gehören zur Wahrheit dazu. Aber sie haben mich nicht aufgehalten. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt; wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Und letztlich ist der Weg das Ziel.

Was mich trägt: Ich wurde von Anfang an ganz offen in die Gruppe aufgenommen. Die meisten meiner Mitstudierenden sind deutlich jünger als ich – was kein Problem ist, sondern bereichernd. Durch meine Arbeit als Praxisanleiterin bin ich ohnehin viel mit jungen Menschen im Austausch. Die Jüngeren bringen Theoriefrische und neue Fragestellungen mit, ich kann Praxiserfahrung aus Pflege, Beratung und Ausbildung einbringen. Wir lernen in beide Richtungen.

Dass die erste Klausur gut gelaufen ist, hat das Gefühl „ich gehe den richtigen Weg" noch einmal bestätigt.

Warum ich das hier teile

Zwei Gründe, warum mir dieser Beitrag wichtig ist:

Erstens, weil es Sie etwas angeht. Wenn Sie überlegen, ob Sie Pflegehilfe Hameln beauftragen – sei es für Präventionsbegleitung, Pflegeberatung, aktivierende Verhinderungspflege oder Angehörigenanleitung – dann ist es relevant zu wissen, aus welcher fachlichen Haltung ich arbeite. Salutogenese klingt erst einmal abstrakt. In der Praxis bedeutet es: Ich frage Sie nicht zuerst, was kaputt ist, sondern was trägt. Ich arbeite mit dem, was da ist – und baue auf.

Zweitens, weil es möglicherweise Sie selbst ermutigt. Vielleicht lesen Sie das als pflegende Angehörige und denken gerade „Ich könnte eigentlich auch nochmal etwas Neues lernen – aber kein Abitur, Alter, Zeit …". Mein Erfahrungsbericht ist auch dafür da: Es geht. Nicht ohne Zweifel, nicht ohne Kraftanstrengung – aber es geht. Und es lohnt sich.

Was nun konkret bei Pflegehilfe Hameln besser wird

Drei praktische Verbesserungen, die Sie direkt spüren werden:

  1. Ressourcenorientierte Erstgespräche: Das kostenlose Erstgespräch und das Screening werden konsequent nach salutogenetischem Ansatz geführt. Wir fragen nach Stärken, nicht nur nach Problemen.
  2. Individuelle Präventionsprogramme: Die Inhalte meiner wöchentlichen Einheiten orientieren sich stärker an den biografischen Ressourcen und Interessen der Kundin oder des Kunden – nicht an einem Standard-Übungskatalog.
  3. Systemischer Blick: Angehörige werden nicht nur „mit angeleitet", sondern als eigenständiges Gegenüber mit eigenen Ressourcen und Belastungen wahrgenommen – Entlastung ist nicht Nebenprodukt, sondern Ziel.

Wie es weitergeht

Das Studium läuft berufsbegleitend über mehrere Jahre. Ich werde in loser Folge auf diesem Blog immer dann berichten, wenn ein konkretes Thema aus dem Studium meine Praxis verändert oder ergänzt hat – Bewegungswissenschaft, Gesundheitspsychologie, Versorgungssystem, Sozialpolitik. Inhalte, die klingen, als seien sie weit weg vom Pflegealltag zuhause, und die sich in der Anwendung als erstaunlich bodenständig erweisen.

Wenn Sie überlegen, Präventionsbegleitung oder eine Pflegeberatung für sich oder einen Angehörigen in Anspruch zu nehmen: Das Erstgespräch ist wie immer kostenlos und unverbindlich. Rufen Sie mich gerne an, schreiben Sie eine E-Mail oder nutzen Sie das Kontaktformular.

💡 Übrigens: Der ganze Gedanke von Prävention zuhause ist auch finanziell attraktiv. Präventionsbegleitung lässt sich in der Regel ohne Eigenanteil finanzieren – über den Entlastungsbetrag (§45b), den Umwandlungsanspruch (§45a) und die Verhinderungspflege (§39). Wie das konkret funktioniert, habe ich hier im Detail erklärt.

Über die Autorin

Melanie Zick

Examinierte Pflegefachfrau, zertifizierte Pflegeberaterin, Praxisanleiterin beim DRK Region Hannover. Inhaberin von Pflegehilfe Hameln – anerkannter Anbieter nach §45a SGB XI für Angebote zur Unterstützung im Alltag in der Region Hameln-Pyrmont. Gründerin der digitalen Plattform PflegePur – bekannt aus „Häusliche Pflege" (Vincentz Network, 2/2026). Seit Oktober 2025 Bachelorstudentin „Prävention und Gesundheitsförderung" an der IST-Hochschule.

Weiterführende Seiten:

Das PflegePur-Ökosystem:

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